Schnee, Eis und Sand. Die natürlichen Rivalen vieler Biker. Ein Trend aus den USA trotzt diesen Bedingungen: Fat Biken. Reifen bis 4.8 Zoll Breite und Luftdrücke um die 0.5 Bar sind Zutaten dieser Bewegung. Und seit neustem auch Elektroantriebe. Wir waren mit Rolf Oberholzer unterwegs, der den maxon BIKEDRIVE am Snow Bike Festival 2016 in Gstaad sowie im Engadin auf Herz und Nieren getestet hat.

Rolf, du bist nicht zum ersten Mal ein Fat Bike gefahren. Wie war es, plötzlich mit einem Motor im Hinterrad unterwegs zu sein?

Rolf Oberholzer: Das Teil geht ja ab wie Schmitz Katze. In steilem Gelände bringt man sogar bergaufwärts das Hinterrad zum Ausbrechen (im Boost-Modus). Auf den Pisten in Gstaad beim Snow Bike Festival hat das riesen Spass gemacht.

Richtig cool war es dann auch am vergangenen Wochenende im Engadin. Da gibt es viele top präparierte Winterwanderwege und jede Nacht gab es ca. 30 cm Neuschnee.

Wo macht ein Elektroantrieb mehr Sinn als in einem Fat Bike? Die breiten Reifen sorgen für super Traktion und mit dem Motor kommt man bei jedem Untergrund zügig vorwärts. Übrigens: eBike bedeutet nicht unbedingt, dass man auch weniger in die Pedale tritt. ;-)

 

Wo siehst du die Vorteile eines Heckmotors gegenüber einem Mittelmotor?

Rolf Oberholzer: Das Bike ist besser ausbalanciert (Bikes mit Mittelmotoren sind vielfach frontlastig, was im Schnee einen wesentlichen Nachteil bedeutet). Sogar Wheely fahren gelang mir auf Anhieb. Der Antrieb ist massiv weniger belastet als bei einem Mittelmotor, was bei den heutigen Preisen für 1x11 Kassetten kein unbedeutendes Argument ist.

Optisch macht speziell der maxon BIKEDRIVE in meinen Augen einiges her (mir gefallen die Klötze ums Tretlager bei Mittelmotoren nicht besonders).

Das Nabensystem bringt Gewichtvorteile. Super finde ich diesbezüglich, wie maxon die Nabenbefestigung gelöst hat. Der Ein- bzw. Ausbau ist via Schnellspanner (oder Steckachse) werkzeuglos zu bewerkstelligen. Ein Plattfuss kann so einfach repariert werden (wie beim normalen Bike).

Für welchen Einsatzbereich würdest du ein eFat Bike empfehlen? Und wer soll sich so eins kaufen?

Rolf Oberholzer: Das ist nicht einfach zu beantworten. Eigentlich liebe ich es, mit eigener Kraft die Berge hochzukommen. Den Winter durch betreibe ich zudem jede Menge Skisport. Ein eBike verwende ich vor allem für meinen Arbeitsweg. Daher kommt ein Fat Bike für mich momentan nicht in Frage.

Personen die auf der Suche nach einem spassigen Winterhobby sind, sollten es auf jeden Fall mal ausprobieren. Vor allem solche, die präparierte Winterwanderwege in ihrer Umgebung haben. Ganz viel Spass macht es auch, die Skipisten hoch und wieder runter zu fahren.

 

Akkus mögen bekanntlich ja nicht unbedingt kalte Temperaturen. Wie warst du mit der Batterie des maxon BIKEDRIVE zufrieden? Wie viele Höhenmeter hast du gemacht?

Rolf Oberholzer: Im Engadin waren wir während sechs Tagen auf dem Campingplatz. Die Bikes waren die ganze Zeit draussen angekettet und wurden jede Nacht richtig eingeschneit, bei Temperaturen so um die -10 °C. Die Akkus hatten wir nachts im Fahrzeug an der Wärme, wo sie auch geladen wurden. Die Fat Bikes funktionierten grundsätzlich einwandfrei. Zumindest der Elektroantrieb. Mit der Schaltung hatten wir dann schon hin und wieder zu kämpfen.

Die Akkuleistung ist sicherlich nicht mit der Performance bei warmen Temperaturen zu vergleichen. Als Beispiel: Wir machten im Engadin eine Tour von Samaden via Stazersee ins Val Roseg und zurück. Eine Distanz von 27 km mit 580 hm im Schnee – und das mit unseren nicht gerade leichten Fat Bikes. Da wir uns in der Kälte nicht nassschwitzen wollten, sparten wir auch nicht mit der nötigen Unterstützung. Für mich war das mehr als erwartet mit den 360 Wattstunden der maxon BIKEDRIVE Batterie.

Auf was soll man grundsätzlich achten beim Kauf eines eFat Bikes?

Rolf Oberholzer: Will man den maxon BIKEDRIVE verbauen, sollte das Fat Bike einen 135 mm Offset Rahmen haben (so wie das Surly Pugsley oder das Moonlander). Ob es dann einen 4.8 Zoll Reifen sein soll oder ein etwas schmälerer auch reicht, ist meiner Meinung nach Geschmacksache. Dasselbe gilt auch für das Rahmenmaterial.

 

Und zum Schluss: Welches sind deine Fahrtipps auf Schnee?

Rolf Oberholzer: Maximal 0.5 bar Reifendruck. Sattel etwas tiefer als gewohnt (bei eFat Bike). Und den Skianzug, Helm sowie die Goggles nicht vergessen.

Ganz wichtig: Nur Vollgas! Man fällt schliesslich weicher im Schnee…