Vom Windgenerator zum Bikeantrieb: Als Erfahrungen aus dem Spitzensport auf Ingenieurskunst trafen, entstand ein neues Fahrgefühl. Dabei ging es von Anfang an auch um Kompaktheit, Effizienz – und um die Schweiz. Dies ist die Geschichte vom maxon BIKEDRIVE.

Die beiden NASA Rover Spirit und Opportunity feiern gerade ihr fünfjähriges Jubiläum auf dem Mars, als sich der ehemalige Downhill-Bike-Weltmeister Albert Iten mit seinem guten Freund Roli Abächerli auf einer gemütlichen Velotour über die Ibergeregg befinden. Wir schreiben das Jahr 2009. Roli, ebenfalls Ex-Spitzenfahrer, sieht es Albi an: Viel lieber würde dieser über Wurzeln hüpfen, sich in Waldkurven pressen oder eine Staubwolke in die Kiespiste ziehen. Aber Hochfahren gehört dazu, da sind sich beide einig. Und da es in der eBike-Branche nur schwere, ineffiziente Antriebe gibt, verlassen sich die beiden Profis im Ruhestand auf ihre eigene Muskelkraft. Zunächst.

Die Kleinen vom Mars

„Gibt es eigentlich einen Bikeantrieb, nur so gross wie eine Radnabe?“, fragt Albi mit keuchender Stimme, als der Gipfel näher rückt. Beide schweigen. Jetzt liegt die Abfahrt vor ihnen. Im Ziel am Hauptplatz in Schwyz angekommen meint Roli plötzlich: „Da gibt es doch diese Elektroantriebe aus Sachseln, die es bis auf den Mars geschafft haben.“ Das müsse doch auch für Schläge und Schmutz auf dem Trail reichen, und so kontaktierten die beiden Veloenthusiasten maxon motor. Der Zufall will es, dass ein ehemaliger Rennkollege beim Antriebsspezialisten arbeitet.

Und so kamen Radprofis und Ingenieure zusammen.

Die Tüftler von maxon motor waren bereits einen Schritt weiter: Ein Windgenerator aus einem anderen Projekt bot vielversprechende technische Eigenschaften, um daraus einen Antrieb für ein eBike zu bauen. Besonders war die eisenlose Wicklung. Dank dieser erreichte der Motor einen Wirkungsgrad von fast 90% (ein Verbrennungsmotor hat gerade mal 40%). Das ist nicht nur gut für den Batterieverbrauch, sondern ebenfalls für die Energierückgewinnung, schwärmten die Techniker.

Vom Wind- ins Fahrrad

Als im Jahr 2010 maxon motor gerade den Marktlaunch von Präzisionsmotoren für Extrembedingungen auf der Erde und im Weltraum vorbereitete, liefen im Hintergrund Vorentwicklungsarbeiten für den neuen Bikeantrieb. Im geheimen, ohne offizielles Mandat vom Management. Dieses war damals damit beschäftigt, während der Finanzkrise die Geschäfte in den wichtigen Märkten wie der Medizintechnik, Industrieautomation, Robotik oder der Luft- und Raumfahrt zu stabilisieren.

2012 übernahm der CEO, Eugen Elmiger eigenhändig die Leitung des Projekts mit dem Namen MOVE (Motor für Velo). Unterstützt wurde er stets vom Hauptaktionär, Karl-Walter Braun. „Als ich die Kompaktheit und technische Raffinesse des ersten Prototypen sah, wusste ich gleich, diesen Motor müssen wir auf den Markt bringen“, erinnert sich Elmiger. Denn der begeisterte Velofahrer kannte die Mankos bestehender Antriebe nur zu gut. Zu wenig Effizienz, Leistung und Verlässlichkeit. Da konnte man ansetzen. Und so wurde der Antrieb kontinuierlich verbessert und immer wieder getestet. Schliesslich hatte man das Testgelände mit den Obwaldner Alpen gleich vor der Fabriktür.

Uphill: das neue Fahrgefühl

„Seitdem ich diesen Motor gefahren bin, macht mir auch das Berghochfahren Spass. Ich wurde richtig süchtig und liess mein normales Bike immer öfter in der Garage stehen“, beschreibt der 50-jährige Ex-Downhill-Champ Albert Iten seine Testfahrten mit dem maxon BIKEDRIVE. „Auf den Trails bergauf erreiche ich noch immer die Geschwindigkeiten wie zu meinen besten Zeiten als Rennfahrer. Und dem Roli komme ich auch wieder nach“. Dieser schmunzelt nur und führt weiter aus: „Der Antrieb hat viel Potential auf Trail und Strasse. Vor allem für Leute, die Steigungen auf der Tagesroute bewältigen müssen.“

Der Nabenmotor von maxon leistet ein Dauerdrehmoment von 25 - 30 Nm. Die Spitze liegt bei 50 Nm. Der bürstenlose DC Motor hat einen Wirkungsgrad von ca. 85%, am Berg bei 15 km/h und 30 Nm sind es immer noch 75%. Wem das nichts sagt, hier ein Vergleich:

Oberhalb von Sachseln liegt die Fluonalp. Hoch geht es ca. 1‘000 Höhenmeter mit einer durchschnittliche Steigung von 10%. Diesen Aufstieg meistert ein durchschnittlich trainierter, ca. 80 kg schwerer Fahrer mit dem maxon BIKEDRIVE in rund einer halben Stunde. Google Maps gibt mit dem Auto für dieselbe Strecke von etwas mehr als 10 km ca. 26 Minuten Fahrzeit an. Theoretisch.

Kontrolliert wird der maxon BIKEDRIVE über einen PowerGrip rechts am Lenker. „Man dreht hoch und spürt gleich den Schub“, beschreibt Albi Iten das Gefühl am Gashebel mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Auf ein Display wird verzichtet. Weisse LEDs zeigen den Batteriestand, eine schlichte Kontrollleuchte die Motortemperatur an. „Man hat alles immer fest im Griff und muss den Lenker nie loslassen“, meint der ehemalige Profi. „Das ergibt eine völlig neue Fahrdynamik und ist sicherer als ein Display, weil der Rider nicht immer auf den Lenker schauen muss.“

Beim Akku setzt man ebenfalls auf moderne Technik. Neuste Batteriezellen speisen den 48 Volt Lithium-Ionen Akku mit 360 Wattstunden. Zu 70% geladen ist der Energiespeicher in nur 60 Minuten. Die volle Leistung steht nach zwei Stunden bereit.

„Der ganze Antrieb macht einfach nur Spass. Vor allem die ausgewogene Leistungsentfaltung“, da sind sich Iten und Abächerli einig.

Ein maxon e-Bike zum Geburtstag

1981